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Parade der Marketing-Peinlichkeiten: "Vorsicht, ansteckend!"



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Foto: Rüdiger Lutz



Post einer meiner Facebook-Kontakte:

„Ich habe mich nun schon das sechste Mal in einer Stunde übergeben. Mein Stuhlgang ist auch furchtbar. Das reinste Wasser. Nichts, aber auch nichts kann ich bei mir behalten. Hoffentlich ist das keine Magen-Darm-Grippe und nur eine Nachwirkung meiner Sauftour von gestern Nacht.“

Die Kranken-Nummer ist weit verbreitet in Facebook. Unter den Geschäftsleuten und Angestellten gleichermaßen. Jeder kleine Furz, der klemmt, wird in Facebook veröffentlicht. Besonders dramatisch wird es bei Krankenhaus-Aufenthalten. Die werden grundsätzlich mit Foto dokumentiert. Ich bin sehr froh, dass die Magen-Darm-Geplagten nicht auf eine solche Idee kommen.

Wer Krankheits-Geschehnisse postet, kann sich Mitleid sicher sein. Alle bedauern den Kranken und schicken massenhaft Genesungswünsche. Ich weiß nicht, wie das bei anderen Menschen abläuft. Mir helfen die bei Magen-Darm-Grippe nicht besonders.


Manchmal ist das Kranksein aber auch eine Marketing-Masche


Bei Herrn Networker Müller-Meyer aus meiner Kontaktliste muss es so sein. Er nutzt seinen Krankenhaus-Aufenthalt, um formvollendet Publicity zu veranstalten. Da seine Pein alleine dafür noch nicht auszureichen scheint, muss die zweijährige Tochter mit ran. Diese zusammen schmusend mit dem schlimm kranken Papa im Krankenhausbett, bringt besonders viel von der erwünschten Publicity. Die Untergebenen des Herrn schmelzen wie geplant dahin. Gut so, damit sie weiterhin schön bei der Stange bleiben.

Da ich mir das nicht mehr mit angucken kann, lösche ich den Kontakt gleich aus meiner Liste. Wie er da jemals hineingekommen ist, kann ich gar nicht mehr nachvollziehen.

Ein anderer Networker ist sogar noch schlauer (woher kommen die plötzlich alle?). Warum sich selbst ins Krankenhausbett legen, wo das Baby doch viel publikumswirksamer ist. Natürlich in einer teuren Privatklinik, wo auch sonst. Tag und Nacht harrt er bei ihr aus und dankt öffentlich Gott für die beste Entscheidung seines Lebens: Networker geworden zu sein. Einfach mal so mit dem kranken Kind im Krankenhaus verweilen statt blöd irgendwo arbeiten zu gehen. #dasistfreiheit. Die besten Ärzte der Welt kümmern sich quasi um das Baby, da er es als Networker geschafft hat und vor Geld gar nicht mehr weiß, wohin. Seine Jünger applaudieren und saugen jeden Buchstaben förmlich in sich auf. „Ja, das wollen wir alle auch. Wir schaffen das! Gemeinsam sind wir stark.“, sagen sie sich und strengen sich noch mehr an.

Ein weiterer Kontakt, den ich schnellstens entferne. Es wird nicht bei diesen beiden bleiben. Denn dann gibt es ja noch die Dummen-Posts. Die haben mit Krankheiten rein nix zu tun, sondern mangelnder Intelligenz. Nix Marketingwaffe also, sondern sich zu 100 % das eigene geschäftliche Grab schaufeln:


„Ich habe keinen Bock mehr auf Arbeit und mache daher den Rest des Tages blau. Eis essen und die Sonne genießen.“


Bin ich Kunde dieser Dame, will ich genau das lesen. Ich freue mich sehr, dass sie keinen Bock mehr auf meinen Auftrag hat und lieber in der Sonne fläzt. Dies zeugt von Motivation und Zuverlässigkeit. Nennt man wohl natürliche Auslese, wenn sich das Netzwerk auf diese Weise drastisch reduzieren muss.



Tipp:

Den Brechreiz, die Krankenhaus-Aufenthalte und „Keinen-Bock-Momente“ vielleicht lieber für sich behalten. Es sei denn, man ist Networker. Dann geht es wohl nicht anders wegen dem Marketing. Alternative: Man könnte es schlichtweg mal seriös und sympathisch probieren.













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