logo_1000.png




Parade der Marketing-Peinlichkeiten:
"Jetzt sei halt ein Experte" (egal was!) 



Parade4.png

Foto:: Rüdiger Lutz



Wieder eine gesponserte Anzeige. Der Absender ist was? Klar, ein Experte. An einem einzigen Tag habe ich dort Experten für alle Themen dieses Planeten gefunden. Damit wir alle davon erfahren und die Experten ein Heidengeld mit ihrem Expertenstatus verdienen, muss eine gesponserte Anzeige es richten.

Absender:

Experte für dies und das. Manchmal lese ich höchst lustige Experten-Wortkreationen, die es so gar nicht gibt und furchtbar kindisch klingen. Egal, Experte bleibt Experte!

 

Experten-Themen:

Die Experten-Themen sind vielfältig und doch wieder alle gleich. Ich habe ein paar davon gesammelt und gebe sie nachfolgend sinngemäß in meinen Worten wieder:

  • Wie ich als Mutti im Onlinemarketing zu Hause fünfstellig pro Monat verdienen kann
  • Wie ich als Frau ab 50 endlich meine Berufung finde
  • Wie ich als hochsensible Frau meine Berufung finde
  • Wie ich meine Positionierung finde
  • Wie ich die tollste Positionierung finde
  • Wie ich mit der tollsten aller Positionierungen meine Umsätze verfünffache
  • Wie ich tausendmal mehr Kunden gewinne als jetzt
  • Wie ich von zu Hause aus (als Mann oder Frau) eine Million Umsatz mache
  • Wie ich mit Xing massenhaft neue Kunden gewinne
  • Wie ich mit Facebook massenhaft neue Kunden gewinne
  • Wie ich mit E-Mail-Marketing massenhaft neue Kunden gewinne
  • Wie ich mit Video-Marketing raketenmäßig durchstarte


Kennen Sie das von früher?


Sie sind 16 und eine Ihrer Mitschülerinnen, die noch nie einen Freund hatte, will Ihnen schlaue Beziehungs- und Sextipps geben. Sehr lustig. Im Erwachsenenalter nennen sich solche Mitbürger dann Coach für irgendwas. Oder es muss bereits erwähnte kreativ-kindische Wortkreation als Betitelung herhalten, weil Coach als Wort den meisten viel zu langweilig ist. Dann folgt die Riesenshow. Dank anderer Experten ist das heutzutage ja kein Problem mehr:


1. Sich fix eine Webseite oder Salespage basteln.

2. Einen Fotografen anheuern, sich mit „Ich habe tollen Erfolg-Lächeln“ wie ein Star ablichten lassen.

3. Die eigene rührende Geschichte erzählen, wie man früher so richtig beschissen dran war. Ganz doll schlimm beschissen. Bis der Wendepunkt kam. Dann habe man tausende Bücher verschlungen, abertausende Ausbildungen, Fortbildungen, Seminare besucht, sei dabei hundertmillionentausende Male auf die Schnauze gefallen. Deswegen sei man nun Experte. Man wisse, wie es geht. Und auch, wie nicht. Sie armer Mensch sollen diese schlimmen Erfahrungen nicht machen oder gar die Riesensumme an Vermögen für sinnlose Versuche ausgeben müssen. Nein, die Rettung naht – buchen Sie mich, ich zeige Ihnen die Abkürzung zum Erfolg.



Vortäuschung falscher Tatsachen


Wie das so ist beim Netzwerken lerne ich regelmäßig auch welche von diesen Experten kennen. Man kommt ins Gespräch, auch mal persönlicher. Mir kommt dabei zugute, dass ich jedem grundsätzlich offen und ehrlich begegne. Bewirkt meistens auch Offenheit von der anderen Seite aus. Keine zehn Minuten später fällt mir die Kinnlade runter, denn unverhofft enttarnt sich dabei die Experten-Comedynummer. Man erklärt mir, dass man vorneherum ja nur so tut als ob. In Wirklichkeit, puh, habe man schreckliche Geldsorgen, sogar Schulden en masse und sei verzweifelt auf der Suche nach Einkommen. Ich frage mich: Warum passiert mir das und warum erzählen mir wildfremde Menschen das? Will ich das wissen? Eher nein! Umso skeptischer bin ich daher, wenn ich den Satz „Ich bin Experte für soundso“ irgendwo lese. Man weiß ja nie.

Richtig happy macht mich wiederum die Begegnung mit echten Experten. Die reinste Wohltat. Die brauchen auch keine digitale Schein-Show, um wirklich erfolgreich zu sein.

 






empty