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Kundenservice im Härtetest:
Hilfe, die Maus ist tot!



Wenn du als Kunde eines Großkonzerns ein Problem mit dessen Produkt hast, lernst du schnell eines: Wie klein eine Ameise im Verhältnis zum Universum ist. Das hält mich nicht davon ab, beim riesigen Apfel-Universum anzuklopfen – mit dem Ergebnis: Frechheit siegt!



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Foto: Rüdiger Lutz



 Mein frecher Brief an die Apfelzentrale:

 

"Liebe Apfel-Family,

ich bin großer Fan eurer Erfindungen. Daher habe ich auch sehr viele Apfelsorten in jeder Größe für sehr viel Geld adoptiert. Ihr müsst euch keine Sorgen machen, ich sorge gut für eure Abkömmlinge. Allerdings gibt es ein Problem mit dem süßen, kleinen Apfel-Mäuschen.

Vorweg muss ich begeistert bekunden: Die Kondition der Mausi ist enorm. Ohne Päuschen ist das Mäuschen im Dauereinsatz. Das habe ich jetzt extra so formuliert, damit es sich reimt. Jedenfalls gibt das Ding zwischendurch keinen Mucks von sich. Ich an deren Stelle hätte schon lang japsend das nahe Ende angekündigt: 'Äh, hallo, ich kann bald nicht mehr!' Von wegen. Die Maus hält durch - bis kurz vor Herz-Kreislauf-Kollaps. Dann, ja dann muss es schnell gehen.

SOS! Nur noch 5 % Überlebensmodus. Schnell wie der Wind hole ich das Wiederbelebungs-Instrument herbei, um die tapfere Maus an den Stromkreislauf anzuschließen. Die Maus freut sich. Ich indes schaue stirnrunzelnd auf die Konstruktion.


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Meine Frage an der Stelle: Der verantwortliche Konstrukteur (oder Ingenieur?) meiner Maus ... hatte der am Abend vor Erfindung schlechte Laune, Liebeskummer oder so? Guckt euch das an. Die Wiederbelebung findet hinten statt, was ich grundsätzlich unlogisch finde. Kein Lebewesen dieser Welt hat hinten wichtige Organe sitzen. Und so liegt die Maus regungslos herum und kann erst mal nicht weiter mit mir durch die digitale Welt flitzen. Heißt für mich: mindestens 2 Stunden Zwangs-Kaffeepause. Zu viel Kaffee ist ungesund.

Ich komme zur abschließenden Bitte meinerseits. Weihnachten naht. Daher sollte das Thema Geschenke jeder frühzeitig genug angehen. Der diesjährige Heiligabend fällt auf den Tag genau auf mein persönliches „Hurra-ich-werde-Fünfzig-Ereignis“. Damit wäre schwerpunktmäßig bewiesen, dass dieser Tag der absolut richtige ist ... für eine Wiedergutmachung der Apfel-Familie hinsichtlich meiner Mäuse-Sorgen. Könnt ihr mir bitte eine Maus schicken, die auch während der Wiederbelebung rennt? Danke schön!


Drei Tage später:

 

Mein Handy klingelt. Freitagabend kurz nach 18 Uhr. Ich ignoriere das. Ja, das kann ich super, wenn ich dann endlich mal Feierabend haben will. „Jetzt geh halt hin“, sagt mein Mann Rüdi. Ich schaue beiläufig auf das Display und sehe eine höchst alarmierende Nummer. Irgendwas kurios Ausländisches.

„Ich geh da nicht hin, das ist bestimmt eine Betrügerbande!“, rufe ich entsetzt. Ich sollte vielleicht nicht mehr ganz so viele Krimis anschauen.

Rüdi: „Geh hin!“
Ich: „Neeeeein!“

Nach 8 Mal klingeln wage ich es dann doch. Die weibliche Neugier siegt vor der Befürchtung, der Telefonbetrüger-Mafia zum Opfer zu fallen. Vor lauter Aufregung verstehe ich den Namen der Dame nicht. Zumindest spricht sie einwandfrei Hochdeutsch. Gott sei Dank. Im Nachhall höre ich noch das Wort „Apfel“ in meinem Ohr klingen.

Als Kind habe ich mal mit der Stricknadel in der Steckdose rumgefummelt. Was mich dabei seinerzeit durchzuckte, gleicht sich mit dem Stromschlag, der mich jetzt binnen Millisekunden durchfährt.


„Sind Sie die Frau Parthen, die uns einen Brief schickte?“


Bedeutet die Frage jetzt Gutes oder Schlechtes, überlege ich kurz. Wie gut, dass mein Humor auch in solchen Lebenslagen einwandfrei funktioniert. „Ja, haben Sie sich gut amüsiert über die Zeilen?“, so meine Gegenfrage. Was danach kommt, ist filmreif.

Die Dame und ich können fast nicht mehr anhalten vor lauter Lachen. Dabei kommt raus, dass ich ihr mit meinem Brief den Feierabend und das bevorstehende Wochenende versüßt habe. So einen witzigen Brief bekommt sie sonst nie, erklärt sie. Dann erörtern wir mein Problem, das die Dame so gar nicht kennt, da ihre Maus mit Dauerkabel via Rechner verbunden ist.


„Dann ist der Schlitz Ihrer Mausi wohl nicht unten bzw. hinten?“, frage ich sie.


Rüdi sitzt neben mir und bricht schier zusammen vor Lachen. Warum, erfahre ich erst nach dem Telefonat. Erst mal diskutiere ich mit Frau Apfel ausführlich die Sache mit dem Schlitz zu Ende. Also ihrem Schlitz und dem meinem.

Egal wie, das Problem ist ja, dass es nun dieses Problem gibt und die Dame von der Apfel-Firma dafür zuständig ist, Probleme von uns Apfel-Kunden zu unserer vollsten Zufriedenheit zu lösen. Diesen Schlitz von hinten nach vorne zu zaubern, da ist sie leider mit überfordert. Wie jeder weiß, sind wir Frauen bekannt für unsere Lösungsfindungs-Gene. Jede Mutter kennt das. Muttis müssen ständig Lösungen für Probleme finden, die eigentlich unlösbar sind. Also tüfteln wir an den tollsten Ideen herum. Ob es auch in diesem Falle ein frauentypisches Happyend gegeben hat? Das wissen nur der Apfel und ich und bleibt unser Apfel-Geheimnis, das ich aus bestimmten Gründen so nicht veröffentlichen darf.

Zurück zu Rüdi. Der lacht auch dann noch, als ich das Gespräch längst beendet habe. Vor lauter Aufregung verstehe ich sein Amüsement nach wie vor nicht. Mein Herz klopft ziemlich. Hat man ja nicht alle Tage, dass der große Apfel bei einem durchklingelt. Zumal ich ehrlich gesagt zu 100 % hätte schwören können, dass auf meinen Brief sowieso kein Mensch reagieren wird. Doch nicht bei einem Weltkonzern wie diesem. Damit erklärt sich nun auch die komische Nummer. Anrufe wie diese laufen alle über die zentrale Telefonnummer in Dublin. Keine Mafia also, sondern die total normale Vorwahl von Dublin.

„Rüdi, was ist denn bloß los?“ Ich will’s jetzt wissen. „So können nur Frauen miteinander reden. Stell dir vor, ich als Mann hätte die Dame gefragt wo denn der Schlitz ihres Mäuschens liegt.“, erklärt er beiläufig. So langsam dämmert es auch mir, was ich da wieder angestellt habe.













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