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Die Kunst, sich auf Wichtiges zu konzentrieren und Unwichtiges nicht so wichtig zu nehmen



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©Rüdiger Lutz

Ergebnisse sind ziemlich wichtig. Eine Mondlandung eher weniger. Trotzdem halten manche Unternehmer liebend gern an einer solchen fest. Weil es eine eingefleischte Gewohnheit ist … Solche unliebsamen Gewohnheiten kenne ich auch. 


„Unternehmen xy hat seinen Firmensitz auf dem Mond“, stelle ich bei einem Blick auf die Postleitzahl fest. ‚Auf dem Mond‘ bedeutet in meiner Auslegung alles, was weiter als 100 Kilometer von mir entfernt liegt. Nein, ich habe keinen an der Klatsche, ich bin gesundheitlich nur ein bisschen gehandicapt. Daher sind Entfernungen aus meiner Perspektive so eine Sache, denn mein Leben spielt sich größtenteils in der 20-Kilometer-Umlaufbahn ab. Alles weiter weg? Für mich derzeit schier unerreichbar wegen diesem Handicap … Das bringt mich manchmal in echte Erklärungs-Bredouille:

Kunde: „Frau Ulrike, kommen Sie morgen doch mal bei mir vorbei.“
Ich: Schluck! Hilfe, der Mond. Er ist einfach zu weit weg.
Kurze Anmerkung am Rande: In besagtem Fall sprechen wir von einer Entfernung von 80 Kilometern einfach.
Ich: Das geht nun wirklich nicht.
Ich: Ulrike, sag endlich was!
Ich: Sapperlott, ich sag einfach die Wahrheit.
Ich: Das würde ich gerne, allerdings ist mir das wegen eines gesundheitlichen Handicaps momentan nicht möglich. Ich lade Sie aber gern zu einem Kaffee in mein Homeoffice ein.

Warten ... Stille ...

Was danach passiert, spaltet sich ziemlich schnell in zwei Lager: Erstens die Unternehmer, die partout an ihren Gewohnheiten festhalten wollen: "Entweder die Parthen kommt zu uns oder es hat sich sofort ausgeparthent." Zweitens die, die sich Chamäleon-flexibel im Nu auf Neues einstellen und freudig bei mir erscheinen. Letztlich zählt sowieso nur das Ergebnis meiner Arbeit. Wen interessieren da schon solche Nebensächlichkeiten. Schade, dass Lager eins aufgrund dessen das supi Ergebnis gar nicht mehr mitkriegt.

Manchmal ertappe ich mich aber auch selbst dabei. Ich klammere mich ebenso an Gewohnheiten. An anderen halt. Doofe Gewohnheiten, die automatisiert abgespult werden und mir damit wichtige Erfahrungen klauen. Merke ich natürlich nicht, da Mister Automatisierung derlei Überlegungen nie anstellt. Da muss erst ein schlauer Gesprächspartner daherkommen und mich mit der Nase voll reinstupsen. Martina Weber beispielsweise ist darin spitze. Ich bei meinen Kunden übrigens auch. Bei denen sehe ich sofort alles und fungiere ebenso als Stupserin. In eigenen Angelegenheiten dagegen bin ich manchmal blind wie ein Regenwurm. Also muss Martina wieder ran und dem Regenwurm eine Brille rüberreichen. Meine Reaktion dabei läuft immer gleich ab. Zuerst bin ich irritiert. Danach kommt die große Erkenntnis: Sapperlott, warum bin ich da nicht selbst drauf gekommen.


Ich bin mal so ehrlich

Stupsen bedeutet ehrlich sein. Ich frage Sie deswegen jetzt ganz direkt: Finden Sie Ihre Kommunikation (intern, extern, Marketing, die ganze Bandbreite) wirklich erfrischend oder gar im echten, menschlichen Dialog mit den Lesern? Als würden Sie von Mensch zu Mensch mit ihnen sprechen? Schriftliche Kommunikation findet viel zu selten im Dialog statt. Sie erschlägt eher in informellen Fakten. So nüchtern wie die Reden unserer Bundeskanzlerin. Tschuldigung Frau Merkel, das ist die reinste Wahrheit. Wer soll das denn Ernst nehmen? Grund ist die Art der Kommunikation. Glaubwürdig oder nicht. Vor ähnlichem Drahtseilakt steht auch jedes Unternehmen. 


Epilog:

Mein heutiger Aufhänger in diesem Beitrag sind Gewohnheiten, die nicht mehr groß überdacht werden. Das ist grundsätzlich Sinn des Ganzen und spart uns im normalen Leben eine Menge Energie. Beim Autofahren und so. Dort sind sie klasse. An anderer Stelle leider furchtbar hinderlich. Es lohnt sich, manches aus neuer Perspektive zu betrachten, so auch die eigene Kommunikation. Reichen Sie mir die gern mal rüber in Form von Ihren Ideen, Konzepten, Texten. Ich werfe meinen unverbrauchten Blick von außen darauf und entlarve Blindgänger sofort.





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